Schwule, Linke, Atheisten: Überraschungen in den Rathäusern

Die zweite Runde der Kommunal- und Bürgermeisterwahlen in Polen ist beendet. Überraschend ist mit Robert Biedron erstmals ein offen schwuler LGBT-Aktivist Oberbürgermeister einer größeren Stadt geworden. In der Geburtsstadt von Papst Johannes Paul II. ist dagegen ein Atheist neuer Chef im Rathaus.

Robert BiedronDie zweite Runde der Kommunal- und Bürgermeisterwahlen in Polen ist beendet. Dabei sind einige Überraschungen zustande gekommen. Ganz oben auf der Liste steht natürlich Robert Biedron (Deine Bewegung, TR). Auch die meisten deutschen Medien haben bereits über den neuen Oberbürgermeister von Slupsk berichtet.

Biedron ist offen homosexuell und seit Jahren ein Vorkämpfer für LGBT-Rechte in Polen. Damit ist seine Wahl im konservativen Polen tatsächlich eine kleine Sensation, auch wenn es längst eine wachsende liberale Bevölkerungsgruppe in Polen gibt. Dank dieser hat Biedron einen engagiert geführten Wahlkampf an der Ostseeküste gewonnen. Dabei hat er sich auch nicht von Beschimpfungen und Übergriffen abhalten lassen, ins Rathaus der 100.000-Einwohner-Stadt einzuziehen. Robert Biedron gilt auch abseits der LGBT-Szene als profilierter und kompetenter Politiker. Sein Mandat im Parlament wird er ruhen lassen müssen.

Atheist in Papststadt

Auch in Wadowice, der Geburtsstadt von Papst Johannes Paul II. kam es zu einer kleinen Überraschung. Dort wurde Mateusz Klinowski regierender Bürgermeister. Klinowski, jetzt oberster Ratsherr der 20.000-Seelen-Gemeinde in der Nähe des erzkatholischen Krakau, ist Atheist, ein Linker und befürwortet unter anderem die Legalisierung von Marihuana. Seine Amtzeit wird allerdings nicht einfach – im Stadtparlament steht eine konservative Mehrheit gegen ihn.

In einer anderen Gemeinde kam es erstmalig in Polen zu einer Losentscheidung. Beide Kandidaten auf das Amt des Gemeindevorstehers (Wojt) hatten genau gleich viele Stimmen erhalten und Wahlkreise gewonnen. Die Wahlkommission musste schließlich das Los entscheiden lassen. Dabei zog der amtierende Wojt den Kürzeren, während sich sein Herausforderer freuen durfte.

Durchaus erfolgreich gestalteten sich die Oberbürgermeisterwahlen für den Bund der Demokratischen Linken (SLD). Mehrere Ämter konnte die Partei mit ihrer Liste Die Linke Zusammen (Lewica Razem) gewinnen. SLD-Chef Leszek Miller sprach davon, dass SLD nach der regierenden Bürgerplattform (PO) die zweitstärkste Kraft in den Städten sei. Tatsächlich ist das Ergebnis überproportional gut verglichen mit dem schlechten Abschneiden bei der Kommunalwahl vor zwei Wochen.

Bild: Robert Biedron // (cc) Lukas Plewnia, polen-heute.de [CC BY-SA 2.0] / Flickr

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