Smolensk – Neuen Jahre nach dem Unglück

Am 10.04. vor neun Jahren ist die polnische Präsidentenmaschine bei Smolensk abgestürzt. Das Ereignis prägt die politische Debatte bis heute. Doch was bleib außer einem Scherbenhaufen? Und wie lange geht das Theater noch?

Smolensk-Gedenktafel für Lech Kaczynski, Maria Kaczynska und die verunglückten PiS-AbgeordnetenGestern war der nunmehr neune Jahrestag nach dem Flugzeugunfall von Smolensk, bei dem der damalige Präsident Lech Kaczynski sowie weitere 95, teils hochrangige Vertreter der polnischen Eliten ums Leben kamen.

Unglück hätte vermieden werden können

Weitreichende Untersuchungen ergaben, dass Fehlverhalten der Piloten gepaart mit schlechten Wetterbedingungen ausschlaggebend waren. Jetzt wurde zum vierten mal Mal der Jahrestag begangen, nach dem die neue Regierung um den Vorsitzenden von Recht und Gerechtigkeit (PiS) Jaroslaw Kaczynski an der Macht ist.

Besonders unglücklich ist, dass die Piloten den Militärflughafen hätten gar nicht anfliegen dürfen, denn die Sicht war aufgrund des dichten Nebels minimal und der Flughafen in Smolensk (eher ein abbruchreifer Bau mit Rollfeld) hatte keine technische Einrichtung, um das Flugzeug bei niedriger Sicht zur Landebahn zu leiten. Auch gab es kurz vor dem Rollfeld eine weitläufige Einkerbung im Boden, die einigen Instrumenten an Bord eine falsche Höhenangabe vermittelte Daher war der Anflug auf Smolensk wie Roulett im Casino, wo man es mit der Alles Spitze App machen kann.

Aber diese Form der Risikobereitschaft wurde in der militärischen Flugzeugstaffel gefördert, was investigative Berichte in den Jahren zuvor zeigten. Zudem forderte der damalige Präsident 2008 eine Landung im georgischen Kriegsgebiet. Der Pilot, der dieses ablehnte, wurde als Feigling beschimpft und ein PiS-Parlamentarier zeigte ihn an.

Ein Scherbenhaufen bleibt

Nach der Machtübernahme 2015 kündigte die PiS-Regierung an, dass man das Flugzeugunglück nun wirklich aufdecken werde. Eine Kommission sollte zeigen, dass eine russische Verschwörung die Maschine zum Absturz gebracht habe. Die Rede war von zwei Explosionen beim Landeanflug. Suggeriert wurde auch, dass der Nebel künstlich gebildet wurde. Damals sahen sich die  Anhänger der Anschlagstheorie kurz vor einem Durchbruch.

Doch wurden die Theorien und Erklärungsversuche immer kruder und am Ende blieben nur Vermutungen und Mutmassungen, Modelle von zerdrückten Getränkedosen und Experten, deren Fachgebiet sehr wenig mit Flugzeugen zu tun hat.

Das Flugzeugwrack hingegen liegt noch immer in Russland. Entgegen der Versprechungen von Recht und Gerechtigkeit wurde es nicht zurück nach Polen gebracht.

Wie viele Jahrestage noch?

Auch wenn es sich um ein schweres Unglück handelt, fragt der unaufgeregt Beobachter, wie lange dieses Theater noch gezogen wird? Denn in Wirklichkeit ist alles durch eine unabhängige Kommission mit Experten aufgeklärt worden. Ursächlich waren Pilotenfehler.

Daher kann man nur hoffen, dass das Flugzeugunglück bald nicht mehr durch PiS politisch instrumentalisiert wird. Wann das passiert, weiss allerdings wahrscheinlich nicht mal Jaroslaw Kaczynski.

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