Umstrittene Öffentlichkeitskampagne zur Mutterschaft

Erst vor ein paar Tagen startete eine Öffentlichkeitskampagne, die zum Mutterwerden ermuntern soll. Schon löst sie heftige Diskussionen und Kritiken in den Medien aus. Die Stiftung „Mama und Papa“ warnt davor, die Entscheidung über das Kinderbekommen nicht auf später zu verschieben. Viele reagieren darauf mit Skepsis, Kritik und Spott.

Seit einigen Tagen ist ein neuer Werbespot der Stiftung „Mama und Papa“ (poln.: Fundacja Mamy i Taty) im Internet zu sehen. Dort ist eine Frau mittleren Alters dargestellt, die durch ihr großes Haus spaziert und ihre Erfolge und Verdienste der beruflichen Karrie aufzählt. Am Ende schaut die Protagonistin durchs Fenster und nennt eine Sache, die sie nicht geschafft hat – Mutter zu werden. Dies ist für sie ein Grund zur Reue. Dann kommt der Slogan: Verschiebe die Mutterschaft nicht auf später.

Das Ziel der Kampagne ist, auf das Problem der steigenden Kinderlosigkeit, sowie auf das immer höhere Alter der Frauen, die ihr erstes Kind bekommen, aufmerksam zu machen. Die Stiftung „Mama und Papa“ informiert, dass in den 1990er-Jahren das durchschnittliche Alter von Frauen bei der ersten Schwangerschaft 23 Jahre betrug. Mittlerweile ist dieser Durchschnitt auf 27 Jahre gestiegen. Gründe dafür sollen laut der Stiftung unter anderem der Druck der modernen Gesellschaft, Erfolge zu haben und berufliche Karriere zu machen, sowie ein auf Konsum ausgerichteter Lebensstil sein. Ein weiterer entscheidender Grund ist die Möglichkeit, eine hormonale Verhütung anzuwenden, ohne über Konsequenzen für die Gesundheit nachzudenken.

Kritik und Spott

Die Kampagne hat eine Lawine von Kommentaren, Diskussionen, Spottsprüchen und -bildern hervorgerufen. Die meisten kritisieren die Kampagne sehr stark und werfen der Stiftung vor, dass der Werbespot wirklichkeitsfremd sei. Diese Meinung vertreten auch viele Journalistinnen und Prominente. Denn die Gründe der abnehmenden Kinderzahlen sollen laut Gegner der Kampagne nicht in der Konsumgesellschaft oder übertriebenen Ambitionen der Frauen liegen, sondern vor allem in den Schwächen des polnischen Staates. Da werden beispielsweise Mängel an staatlichen Kinderkrippen oder Sozialleistungen für Mütter genannt.

Darüber hinaus wird betont, dass um ein Kind zu bekommen und es großzuziehen, immer zwei Personen – Mama und Papa – benötigt werden. Dabei verschweigt die Kampagne die Rolle der Väter in der Kindererzeugung und -erziehung. Es fehle sehr oft am Verantwortungsbewusstsein der Väter und die alleinerziehenden Mütter blieben oft alleine. Wenn dann die Alimente nicht gezahlt würden, blieben die Männer viel zu oft unbestraft. Die Kritiker der Kampagne betonen weiter, dass es sehr schwer sei, eine Mutter auf dem polnischen Arbeitsmarkt zu sein. Selbst ein normaler Arbeitsvertrag ist in Polen eine Seltenheit und bei den oft angewandten Arbeitsaufträgen (umgangssprachlich „Müllverträge“ genannt) besteht kein Mutterschutz und die jungen Mütter bleiben über viele Jahre arbeitslos.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die genaue Zielgruppe der Stiftung „Mama und Papa“ schwer zu definieren ist. Es war bestimmt ein richtiger Gedanke, Frauen darauf aufmerksam zu machen, dass die Schwangerschaft nur bis zu einem gewissen Alter möglich ist. Die Entscheidung, keine Kinder zu bekommen, wird jedoch selten im Zusammenhang mit einer beeindruckenden Karriere und großem Geld getroffen. Viel häufiger sind hier gesellschaftlich-wirtschaftliche Faktoren im Spiel – und deswegen sind so viele mit dieser Kampagne nicht einverstanden.

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