Unglaubliche Ermittlung in einer Grundschule

Vor ein paar Tagen hatte ein Grundschüler in Oppeln (Südwesten Polens) auf der Toilettentür in seiner Schule einen Schriftzug geschmiert, der den Präsidenten Andrzej Duda beleidigen soll. Dieser wurde sofort entfernt, doch was später passierte, wird weitläufig von den Medien beschrieben und besprochen – die Direktion soll nämlich eine Amateurermittlung unter den Schülern durchgeführt haben, um den Täter zur Verantwortung zu ziehen.

Andrzej DudaDass Kinder im Grundschulalter nicht nur ans Lernen denken, sondern auch an Spiele und Streiche, ist wahrscheinlich allen Eltern mehr als bekannt. Bekannt ist genauso die Vorschrift, laut der Menschen, die das Staatsoberhaupt beleidigen, sich strafbar machen. Aber wo endet ein Kinderstreich und wo beginnt echte Beleidigung? Mit dieser Frage befasst sich aktuell die Direktion einer Grundschule in Oppeln, wo ein Schüler auf einer Toilettentür „Andrzej Dupa“ (übersetzt: Andrzej Arsch) geschrieben hat.

Diesem Jugendstreich folgte eine von vielen als übertrieben bewertete Reaktion der Pädagogen dieser Grundschule. Die Schrift ist zwar gleich wieder entfernt worden, die Direktion hat aber eine eigene, interne Ermittlung eingeleitet. Allen Kindern der sechsten Klassen wurden ihre Hefte genommen, um die Handschriften mit dem Schriftzug auf der Toilettentür zu vergleichen. Darüber hinaus sollen die Schüler in kleinen Gruppen zum Direktor gerufen worden sein, um eine internes Verhör durchzuführen.

Der „Täter“ wurde trotz all der Mitteln nicht ausfindig gemacht. Die Direktorin soll gesagt haben, dieser müsse aber ermittelt werden. Denn was wäre denn gewesen, wenn eine externe Inspektion in die Schule gekommen wäre und festgestellt hätte, dass Kinder mit der neuen Regierung nicht einverstanden sind? Letzten Endes hat die Vizedirektorin der Grundschule hervorgehoben, dass die Parole möglicherweise einen politischen Hintergrund hat und der Täter den Präsidenten beleidigen wollte. Die Direktorin bestritt jedoch alle Gerüchte, dass es in der Schule zu einer Ermittlung gekommen sei.

In den meisten Medienberichten wird diese kuriose Situation als weit übertrieben bewertet. Kinder im Alter von 11 – 12 Jahren interessieren sich oft ganz wenig für Politik. Ihnen sind vielleicht die wichtigsten Namen bekannt, doch nicht mehr. Selbstverständlich müssen Kinder richtig erzogen werden und wissen, dass man den Präsidenten öffentlich nicht beleidigen soll. Aber diese Reaktion war bestimmt nicht adäquat zu der Tat. Auch wenn der Streich nicht ganz lustig war, war es immer noch nur ein Streich.

Bild: Andrzej Duda // (cc) Lukas Plewnia / polen-heute.de [CC BY-SA 2.0] / Flickr

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