Welle von Vergiftungen durch Designerdroge

In Polen sorgen zwei Fälle von Drogenkriminalität für Aufsehen. Besonders in Schlesien, wo rund 250 Menschen im Krankenhaus landeten, geht die Polizei jetzt hart gegen Dealer vor. Auch die Politik nutzt die Fälle für ihre Zwecke.

In Polen hat gerade wieder einmal der Kampf gegen die Drogenkriminalität begonnen. Drei junge Männer zwischen 23 und 28 Jahren sind in Westpommern nach der Einnahme von Tabletten der Marke „Superman“ gestorben. Ein mutmaßlicher Dealer wurde bereits verhaftet. In seinem Haus sollen rund 10 Kilogramm Drogen gefunden worden sein.

Ein zweiter Fall beschäftigt die Medien aber noch mehr: In Schlesien läuft seit Freitag eine großangelegte Polizeiaktion gegen Dealer und Verteiler der Designerdroge „Kraftmensch“. Sie ist eine der härtesten Drogen auf dem Markt. In Polen kostet die Droge in konsumierbaren Mengen aber nur rund 5-10 Zloty und ist damit kaum teurer als ein Bier. Immer wieder kommt es beim Konsum der Droge zu schwerwiegenden Zwischenfällen, bei denen Menschen im Krankenhaus landen. Doch im Moment ist es besonders schlimm: In der Region Schlesien sind in den letzten Tagen fast 250 Menschen mit schweren Vergiftungen durch chemische Substanzen ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Eine 59-jährige Frau und ihr zukünftiger Schwiegersohn wurden als Hauptverkäufer ausgemacht. Die Polizei berichtet, dass die Droge per Post an die Frau nach Kattowitz versandt wurde. Die Pakete sollen aus Warschau und Posen stammen. Im Postamt in Kattowitz liegen noch drei Pakete, an die die Polizei bisher aber nicht heran darf. Die Anwaltschaft hat weder einen Beschlagnahmungsbefehl, noch Haftbefehl erlassen. Wegen Verfahrensfehler könnten die beiden Verdächtigen daher demnächst entlassen werden. Jedoch sind gestern noch der Sohn der verdächtigen Frau und der mutmaßliche Hauptorganisator des Handels, ein 20-Jähriger, in Kattowitz verhaftet worden. Insgesamt sind schon zehn Personen wegen des Drogenhandels in Polizeigewahrsam.

Auch die Politik hat sich jetzt eingeschaltet. Ministerpräsidentin Ewa Kopacz (Bürgerplattform, PO) verspricht harte Strafen für Hersteller und Dealer von Designerdrogen. Der Kampf gegen die kriminellen Strukturen soll intensiviert werden. Die Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) hat derweil einen Werbespot veröffentlicht, in dem sie die Antidrogenkampagne der Regierung aus dem Jahr 2010 als ineffektiv und parteipolitisch intendiert geißelt. Kopacz nannte den Spot „ein abscheuliches Spiel mit der Gesundheit und dem Leben der Leute“, die jetzt im Krankenhaus liegen.

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