Werbespot sorgt für Unzufriedenheit

Viele Polen meinen, dass man die eigenen Landsleute nie zufrieden stellen kann. Der Fall des neusten Werbespots, der zum Besuch in Polen einladen soll, ist ein gutes Beispiel dafür. Das Video hat bereits mehrere tausend Zuschauer erreicht, gefiel jedoch vielen nicht. Den Unzufriedenen fehlt vor allem das berühmte Kreuz auf dem Berggipfel vom Giewont.

Seit einigen Tagen lädt der Werbefilm „Polska – where the unbelievable happens“ Menschen aus dem Ausland zum Besuch in Polen ein. Es wurde vom polnischen Außenministerium finanziert.

Im Kurzvideo erzählt ein britisches Schulkind einem Freund von seiner Reise nach Polen und was es dort gesehen und unternommen hat. Der Werbefilm möchte zeigen, wie der Besuch in diesem Land mit Kinderaugen ausgesehen hat und ist somit in einer bildlichen und auf kindliche Weise übertriebenen Art gehalten. Der Junge sieht daher zum Beispiel in seiner Vorstellungen, wie der legendäre Ritter, der unter dem Berg Giewont (polnische Tatra) im tiefen Schlaf liegt und laut einer Volkssage aufwachen wird, wenn das Land in Gefahr ist. Im Werbespot öffnet der Ritter seine Augen und bewegt sich.

Ob der Film seine Funktion erfüllt, wird sich zeigen. Aber das Video gefällt vielen Polen nicht. Der Grund ist das Kreuz: auf dem Berggipfel des Giewont steht seit 1901 ein Gipfelkreuz, es gehört schon fast zu den nationalen Symbolen – jeder Pole kennt es. Deshalb verfasste der Bund der Podhale-Bewohner einen Brief an Außenminister Grzegorz Schetyna, in dem dieser nicht nur seine Unzufriedenheit äußern, sondern auch der Meinung ist, die patriotischen und religiösen Gefühle der Mitglieder des Bundes seien verletzt worden.

Weitere Probleme mit der Symbolik treten bei einer weiteren Szene auf. Der Protagonist erzählt dem Freund über eine Schlacht, die auch nachgespielt wird. Es handelt sich dabei um eines der bekanntesten Gemälde des polnischen Malers Jan Matejko mit dem Titel „Schlacht bei Tannenberg“. Auf dem Gemälde trägt der polnische Fürst Vitold der Große eine Mütze mit einem goldenen Kreuz. Im Video fehlt wiederum dieses kleine Detail. Hier fragen Katholiken: War das tatsächlich ein Zufall?

Probleme mit der Kreuz-Symbolik kommen in der polnischen Gesellschaft nicht zum ersten und wahrscheinlich nicht zum letzten Mal auf. Doch ist diese im Vergleich zu anderen öffentlich ausgetragenen Diskussionen relativ harmlos. Die polnische Gesellschaft sollte sich aber vielleicht die Frage stellen: Ist das Kreuz tatsächlich ein nationales Symbol und will Polen sich immer noch von der streng katholischen und konservativen Seite zeigen?

 

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